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Zu
seiner Beerdigung, das hat John Peel schon vor Jahren verfügt, sollen
die Undertones gespielt werden. Teenage kicks, 2 Minuten 26 Sekunden frenetisches
Pubertätssehnsuchtsleiden von fünf pickligen jungen Nordiren.
1978 war das. Gestern spielte die BBC Teenage kicks am helllichten Tag.
John Peel, der in den 1950er Jahren ein Teenager war, ist tot, Herzattacke
mit 65 Jahren im Urlaub in Peru mit Frau Sheila, die er auch on air gerne
mal "Pig" nannte.
Peel ist nicht in Würde gealtert. Er hatte die Würde, ein Leben daraus zu machen, dass er mit 65 noch Teenage Kicks sucht, dass er mit 65 noch auf der Suche ist nach der aufregendsten Musik der Sekunde, um sie in den Äther zu schicken, längst nicht mehr nur den britischen. Peels Sendungen wurden auf dem halben Globus gehört, er war nicht bloß der DJ, der die letzte Nacht gerettet hat. Er glaubte an das Rettende, Heilende und ja, das Zerstörerische neuer Musik, darin ganz Schüler Platons. Ohne ihn hätte Punk nicht so heftig Londons Stadtmauern erschüttert, ohne ihn hätte eine Münchner Dilettantenband namens Freiwillige Selbstkontrolle heute keine Fans in Wales, ohne ihn wäre wohl sogar The Fall nur eine Band von vielen. Mit
anderen Worten: Der Radio-DeeJay John Peel war 40 Jahre lang das Gegenteil
von jenen mediacontrol-geeichten Lemmingen der Radiowellen, die Musik
nur danach beurteilen, ob sie einen "Ausschaltimpuls" auslöst,
weil sie aufregt. |
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Seine
Radiokarriere begann der am 30. August 1939 Geborene nach seinem Militärdienst
in den USA. Zurück in England arbeitete er unter dem Aliasnamen John
Peel für Piratensender, die von offener See aus ihre Programme sendeten.
Zunächst bei Radio London, dann bei Radio Caroline South. Wir haben
im Sommer 2004 ausführlich darüber berichtet. Legendär
war seine Show "The Perfumed Garden". Peel hat von Beginn an
abseits des Mainstream gegraben und stets Gold gefördert. Als 1967
die BBC ihren ersten Popkanal einrichtete, bekam Peel einen Halbjahresvertrag
- und behielt sein Pseudonym. |
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